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ANDREW BETRACHTETE das neue Paar mit zynischem Blick. Frischverheiratet, mit zusammenpassenden Ringen, die im Sonnenlicht glänzten. Sein Arm lag um ihre Schulter und drückte sie an ihn. Er konnte nur ihre Rücken sehen, während sie den Geiern aus der Nachbarschaft vorgestellt wurden, aber Herrgott, war der Typ groß! Eine Statur wie ein Kleiderschrank. Seine Frau war im Vergleich zu ihm winzig – sie reichte ihm kaum bis zu den Schultern – doch soweit Andrew sehen konnte, hielt sie ihn an der kurzen Leine: Sie hatte ihre Finger fest in seine Gürtelschlaufen eingehakt. So schnell würde sie ihn nicht abhauen lassen. Andrew konnte sie nicht hören, doch er sah, wie der Mann über irgendeine Bemerkung von Allison lachte.

Er wusste, wie das hier ablaufen würde. Sie würden einander auf dieser Grillparty vorgestellt werden, sich gegenseitig höflich anlächeln, dann hinter ihrer Haustür verschwinden und sich bloß noch zeigen, wenn sie zur Arbeit oder zum Einkaufen gingen. Die Leute hier waren nicht wirklich miteinander befreundet, nicht, wenn man keine Kinder hatte, und selbst dann beschränkten sich diese Freundschaften auf Verabredungen zum Spielen, Fahrgemeinschaften und verstohlene Gläschen Gin um zwei Uhr nachmittags. Dennoch mussten sie für die Neuankömmlinge so tun als ob – auf Allisons Anweisung hin.

Der einzige Gedanke, der Andrew während dieser Nachbarschaftsfeiern beschäftigte, war, wie schnell er von hier entkommen konnte. Egal wie viel er trank oder wie sehr er versuchte, sich anzupassen, jede Party war lang und anstrengend, obwohl Stephanie zugestimmt hatte, dass er sich in seine Dunkelkammer zurückziehen durfte, wenn er es zumindest versuchte. Er war es so leid, vorzugeben, etwas zu sein, was er nicht war. Andrew Matthews, perfekter Ehemann, Vater und Stadtfotograph. Andrew sah auf die Uhr. Eine halbe Stunde noch, dann konnte er die Nachbarn ihren Unterhaltungen überlassen und wieder in seine Dunkelkammer verschwinden. Neunundzwanzig Minuten und dreißig Sekunden. Er nahm einen großen Schluck von seinem Bier. Beiläufig überlegte er, wie lange sie wohl schon verheiratet waren. Einen Monat? Höchstens sechs Wochen. Mit Sicherheit würden sie in neun Monaten ihren Nachwuchs in einem Kinderwagen durch die Gegend kutschieren oder – Hallo! Vielleicht auch schon nächste Woche, bei der Größe dieser Kugel! Andrew konnte seine Augen nicht vom Bauch der frischgebackenen Ehefrau nehmen, als sie sich umdrehte. Entweder hatten die beiden vor der Hochzeit geübt oder Andrews Schätzung war weit gefehlt.

Aus seinem versteckten Winkel konnte Andrew die Frau ungehindert beobachten und er bemerkte nun auch, dass ihre Knöchel leicht geschwollen waren. Er fragte sich, wie sie sich überhaupt in ihre hochhackigen Riemchensandalen gezwängt hatte. Trotz ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft war sie eine schlanke Frau mit zartem Knochenbau. Andrew konnte sehen, wie attraktiv sie war. Dann konnte er zum ersten Mal einen anständigen Blick auf den Mann werfen. Verdammt, war der jung. Viel zu jung, um verheiratet zu sein und ein Kind zu erwarten. Er sah aus wie ein Collegesportler bei seiner ersten Verabredung, mit seinem struppigen Haar und ausgeprägten Muskeln, seinen breiten Schultern und schmalen Hüften.

„Sind sie nicht niedlich? Herzchen und Blümchen soweit das Auge reicht. Soooo verliebt.“

Andrew sah zu seiner Frau hinunter. Stephanie starrte die beiden mit einem Blick an, der an Abneigung grenzte. Ihre langen Finger umschlossen ihr Weinglas so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Er seufzte leise. Sie waren nie so gewesen. Er beobachtete den Mann, so jung und verliebt, ein breites Grinsen auf seinem Gesicht, als er seine Frau an sich zog. Andrew fühlte etwas, das er schon seit langer Zeit nicht mehr gefühlt hatte. Er war eifersüchtig. Er beneidete sie um die Liebe, die sie einander zeigten, um ihr Lächeln, um die ganze gottverdammte Zuneigung. Er und Stephanie hatten einander nie so angesehen – niemals.

Er nahm einen weiteren Schluck Bier und sagte: „Warte bis die schlaflosen Nächte anfangen. Herzchen und Blümchen werden ihnen dann nicht viel helfen.“ Andrew blickte auf Stephanies Glas. Es war leer wie üblich. Er fragte sich, wie viele Gläser sie schon gehabt hatte. „Noch einen?“ Er winkte mit seiner Flasche.

Sie nickte. „Ja, warum nicht. Der Fusel ist das einzige, was diesen Tag erträglich macht. Ich gehe und versuche herauszufinden, wo Colin abgeblieben ist. Bin gleich wieder da.“

Andrew nahm ihr Glas, dann machte er sich auf den Weg zur Küche. Allisons und Jims Haus war genau wie ihres, dieselben teuren, weißen Haushaltsgeräte an genau denselben Stellen. Er öffnete den großen Kühlschrank und sah, dass dieser von oben bis unten mit Weinflaschen gefüllt war. Es war bekannt, wie ernst Allison diese Grillpartys nahm. Er nahm eine Flasche mit Weißwein und füllte Stephanies Glas bis zum Rand – sonst würde sie sich nur wieder beschweren – und schloss den Kühlschrank wieder, um nach dem Biereimer zu suchen.

„Ist da eines für mich drin?“ Andrew sah auf, als er nach einer der Flaschen in dem Eiswasser griff. Der frischgebackene Ehemann grinste ihn mit einem hoffnungsvollen Blick an.

„Klar.“ Andrew reichte ihm die Flasche, die er schon in der Hand hielt, und holte dann eine zweite Flasche für sich selbst heraus.

„Danke.“ Der Mann öffnete die Flasche und nahm einen langen Schluck. Er stöhnte geradezu obszön, als die kalte Flüssigkeit seine Kehle benetzte. Andrew versuchte, ihn nicht anzustarren. „Gott, das hab ich gebraucht.“ Plötzlich schien er sich an seine Manieren zu erinnern und wischte sich die Hand an seiner Jeans ab, ehe er sie ihm hinhielt. „Nathan Peterson. Bin gerade in Nummer 24 gezogen.“

Andrew konnte gerade noch ein Lachen unterdrücken. Er schüttelte ihm die Hand und sagte: „Andrew Matthews. Meine Frau Stephanie und ich wohnen in Nummer 12.“ Andrew war selbst über 1,80 groß, doch sowohl in Größe als auch Statur schlug dieser Mann ihn um Längen. Sein Händedruck war fest, aber nicht schmerzhaft. Er fragte sich, wie er wohl in schwarz und weiß aussehen würde, ohne Hemd und nass. Vielleicht während er sein Auto wusch. Andrew zog es vor, Fotos von Leuten zu machen, wenn sie tatsächlich irgendetwas taten. Erst als er Nathans amüsierten Gesichtsausdruck bemerkte, wurde ihm klar, dass er seine Hand zu lange festgehalten hatte.

Andrew lachte nervös und versuchte es mit Small Talk. „Also, hast du schon alle kennengelernt? Hast du dir alle Namen gemerkt?“

„Nicht einen einzigen. Du bist Justin, nicht wahr?“ Er grinste, als Andrew amüsiert schnaubte. „Um die Wahrheit zu sagen, das Ganze ist ziemlich überwältigend. Wir sind erst seit 48 Stunden hier.“

„Kann ich mir vorstellen. Keine Sorge, du wirst uns alle schnell genug kennenlernen, und du wirst auch noch oft genug zu diesen Veranstaltungen geschleppt werden. Allison und Jim lieben ihre kleinen ‚sind wir nicht großartige Nachbarn‘-Partys.“

Nathan runzelte die Stirn, während er sich zu erinnern versuchte, wer die beiden waren. „Die kleine dünne Blondine und der ältere grauhaarige Kerl?“

Andrew nickte. „Genau. Die beiden leiten die Nachbarschaftswache. Der Rest von uns fügt sich einfach ein.“

„Hm. Okay, ich verstehe.“ Nathan sah auf seine Flasche. Sie war leer. Mit einem hoffnungsvollen Blick zu Andrew hob er sie hoch. „Könnte ich vielleicht noch eins bekommen?“

Andrew deutete auf den Eimer. „Bedien‘ dich einfach. Von so einer Feier geht niemand nüchtern nach Hause. Nicht, wenn du bei Verstand bleiben willst.“ Er beobachtete, wie Nathan eifrig in dem Eimer nach einer weiteren Flasche fischte. „So, ihr erwartet euer erstes Kind?“

„Das hast du bemerkt?“ Nathan schien bei der bloßen Vorstellung vor Aufregung beinahe auf und ab zu hüpfen. „Gummibärchen?“ Er zog eine halb leere Tüte mit Süßigkeiten aus seiner Tasche. Verblüfft nickte Andrew und griff in die Tüte. Er zog ein Rotes heraus, legte den Kopf zurück und warf es sich in den Mund.

Nathan fuhr fort. „Alex sieht aus, als ob sie jeden Moment explodieren könnte. Ich hoffe, sie tut‘s nicht. Also, explodieren, meine ich“, fügte er hastig hinzu, als er Andrews verdutzten Blick sah.

„Dann nehme ich mal an, dass das euer Erstes ist?“, fragte Andrew mit einem offenen Lachen. Der Kerl war ja selbst noch wie ein kleines Kind.

Nathan lachte ebenfalls, nicht im Geringsten irritiert. „Sicher. Er soll in vier Wochen kommen.“ Er bot ihm die Gummibärchentüte erneut an.

Andrew nahm sich ein grünes Gummibärchen und biss ihm die Glieder ab, ehe er es köpfte und dann den Körper schluckte.

„Um Gottes willen, was hat dir das Bärchen denn getan?“ Nathan hatte sich das Ganze fasziniert angesehen.

„Ich hab ihm gar keine Chance gegeben, irgendwas zu tun. Hab ihn vorher drangekriegt“, sagte Andrew mit einem selbstgefälligen Grinsen, dann nahm er noch einen Schluck Bier, obwohl sich der bittere Geschmack mit der Süße des Fruchtgummis nicht besonders gut vertrug.

„Erinnere mich daran, dass ich dir nicht auf die Zehen treten sollte“, sagte Nathan in einem gedehnten Akzent.

Sie grinsten einander an, dann fragte Andrew: „Ein Texas Boy also?“

Nathan zückte einen unsichtbaren Stetson und sagte: „‘türlich, Boss. San Antonio, geboren und aufgewachsen.“

Andrew stöhnte gespielt auf. „Oh nein. Ein Spurs-Fan? Ich glaube, ich kann niemals wieder mit dir sprechen.“ Er sprach langsam, tief und gedehnt, wobei der Akzent, den er normalerweise unterdrückte, hörbar wurde.

„Augenblick mal!“ Nathans nussbraune Augen funkelten geradezu. „Hör ich da etwa einen anderen Flüchtling? Nur aus der falschen Ecke?“

„Geboren in Dellas, umgezogen nach Santa Fe als ich zehn war“, bestätigte Andrew.

„Ah, ein Mav also?“ Als Andrew nickte, brummte der jüngere Mann. „Weiß nicht, ob wir überhaupt miteinander reden sollten, aber immerhin sind wir beide Momma’s Jungs, also sollten wir unsere Differenzen beiseiteschieben, zumindest bis ich dir bei einer Partie Madden in den Hintern treten kann.“

Andrew zuckte zusammen, als Nathan seine Mutter erwähnte – Momma’s schwarzes Schaf vielleicht – aber er schaffte es, weiterhin zu grinsen. Dieser Neuankömmling gefiel ihm zur Abwechslung mal. Er hoffte nur, dass Nathan nicht die Art von Mensch war, der sich hinter seiner Haustür verkroch. „In deinen Träumen, Junge“, sagte er gedehnt.

Nathan jauchzte auf. „Du bist so fällig!“ Ein herausforderndes Leuchten trat in seine Augen. „Wie wär’s, wenn wir von hier abhauen und du tust so, als ob du mich tatsächlich schlagen könntest?“ Er machte einen Satz nach vorne und zog einen sehr überraschten Andrew in eine ungestüme Umarmung. Andrew ruderte mit den Armen, als er gegen Nathans Baumwollhemd gequetscht wurde. Er atmete den Geruch von Waschmittel ein, mit einem Unterton von Schweiß und etwas, das er nicht definieren konnte. Seine Hände landeten auf Nathans Rücken, als er versuchte, sich an irgendetwas festzuhalten. Verdammt, dieser Kerl hatte Muskeln zum Abwinken. Neben ihm wirkte Andrew wie eine Stabheuschrecke.

„Wag es bloß nicht, davonzulaufen, Nathan Peterson“, unterbrach sie eine helle, warme, weibliche Stimme, der man trotz des amüsierten Tonfalls eine gewisse Irritation anhören konnte.

Andrew versuchte, sich zu befreien und seine Würde dabei nicht komplett zu verlieren. Er fühlte Nathans leises Lachen eher, als dass er es hörte; seine Brust vibrierte unter Andrews Wange. Dann fühlte er, wie sich ein Arm um seine Schulter legte und er umgedreht wurde, sodass er Alex gegenüberstand. Seltsamerweise ließ Nathan ihn nicht los, sondern klemmte ihn einfach nur unter seinen Arm, als er sagte: „Hey Schätzchen, darf ich dir unseren neuen Nachbarn Andrew vorstellen? Er ist ein Mav, aber lass dich davon nicht abschrecken.“

Alex rollte mit den Augen. „Entschuldige meinen Ehemann, Andrew. Er ist ein übergroßer Welpe mit entsprechenden Manieren. Lass ihn los, Nathan“, befahl sie, in etwa demselben Tonfall, in dem sie mit einem jungen Hund gesprochen hätte.

„Drew macht das nichts aus, oder?“ Und wieder wurde Andrew gedrückt, ehe Nathan gehorsam seinen Arm sinken ließ und sich zu seiner Frau gesellte. Er lehnte sich hinunter und küsste sie auf die Wange.

Andrew wusste nicht, ob er Nathan zu verstehen geben sollte, dass seine Eier in Gefahr wären, wenn er ihn noch einmal ‚Drew‘ nannte, oder ob er ihn lieber bitten sollte, seinen Arm wieder um ihn zu legen. Da legte sich ein anderer Arm um seine Hüfte und scharfe Nägel gruben sich in seine Haut.

„Ich warte darauf, dass du mit meinem Drink zurückkommst, und stattdessen erwische ich dich, wie du den neuen Nachbarn begrapschst. Schnelle Arbeit, Drew.“ Stephanie war Alex in die Küche gefolgt und hatte die ganze Szene mitangesehen.

Andrew war entschlossen, nicht rot zu werden. Die Genugtuung gönnte er seiner Frau nicht. „Du bist nur neidisch“, antwortete er, „weil ich eine Umarmung bekommen habe und du nicht.“

Alex lachte. Die unterschwellige Spannung, die zwischen ihren neuen Nachbarn herrschte, schien sie nicht zu bemerken. „Er malträtiert jeden.“ Sie stieß Nathan ihren Ellbogen in die Rippen. „Glaubt mir. Er versteht die Sache mit dem Diskretionsabstand nicht.“

Nathan hielt die Hände hoch, als wollte er sich ergeben. „Ich bin nur übermäßig freundlich. Wie auch immer, Drew und ich haben eine Verabredung, damit ich ihn fertig machen kann.“

Stephanie lachte freudlos. „Auch wenn ich weiß, wie sehr er es lieben würde, mit dir zu raufen – Andrew hat versprochen, dass er heute Nachmittag mit seinem Sohn in den Park geht.“

Ein breites Grinsen erschien auf Nathans Gesicht. Hörte der Kerl jemals zu lachen auf? „Du hast auch einen Sohn?“

„Ja, Colin, er ist neun“, murmelte Andrew. „Er geht ab September in die vierte Klasse.“

„Hey, Nathan unterrichtet die vierte Klasse! Er wird an der Castleton Elementary unterrichten.“ Alex blickte ihren Ehemann voller Stolz an.

Zu Andrews Überraschung wurde Nathan knallrot. „Ich hab gerade erst mein Diplom gemacht. Das ist mein erster Job“, gab er zu.

„Das ist Colins Schule. Du wirst seine Klasse unterrichten.“ Stephanie überraschte alle Anwesenden, als sie zur Küchentür ging und nach ihrem Sohn schrie. Eine Minute später kam ein dünner, schlaksiger Junge an die Tür. Er trug Shorts, kein Hemd, und war wie immer fürchterlich dreckig. Sogar seine verhassten Sommersprossen, über die er sich bei jeder Gelegenheit beschwerte, waren kaum zu sehen unter dem Schmutz, der seinen ganzen Körper verzierte.

Seine Mutter lenkte ihn in Richtung Nathan. „Colin, das hier ist dein neuer Lehrer, Mr. Peterson.“

„Gott, ist der groß.“ Colin klappte die Kinnlade hinunter, als er Nathan ansah.

Andrew fand es amüsant, dass sowohl Lehrer als auch Schüler hochgradig peinlich berührt aussahen, als alle lachten. Stephanie stupste Colin. „Wie sagt man?“

„Es freut mich, Sie kennenzulernen, Mr. Peterson“, sagte er höflich.

Sein neuer Lehrer rettete ihn. „Nate, zumindest bis September.“ Nathan streckte die Hand aus und Colin schüttelte sie, wie man es ihm beigebracht hatte. „Ab dem ersten Schultag ist es dann wieder ‚Mr. P‘, in Ordnung?“

Colin nickte. „Kann ich jetzt gehen, Mom, bitteeeee?“, quengelte er. Er wollte unbedingt so schnell wie möglich weg von seinen Eltern und, noch schlimmer, seinem neuen Lehrer. Er hatte immer noch Ferien. Es war viel, viel zu früh, um an die Schule zu denken.

„Zehn Minuten, dann geht Dad mit dir in den Park zum Fußballspielen.“ Stephanie klang entschieden.

Andrew sah unauffällig auf seine Uhr und seufzte innerlich. Also doch keine Dunkelkammer. Beinahe wäre er entkommen.

Colin floh aus der Küche sobald er die Erlaubnis hatte, wobei er beinahe Jim und Allison umgerannt hätte, die hereingekommen waren, um ihre neuen Nachbarn zu suchen. Sie zuckten zurück, als der Junge an ihnen vorbeiraste, dann betraten sie die Küche, erfreut zu sehen, dass Andrew und Stephanie sich um Nathan und Alex kümmerten.

„Hallo ihr. Na, wie geht’s uns denn? Hat jeder einen Drink? Jim, wir brauchen mehr Bier. Nathan hat schon fast nichts mehr.“ Wie immer übernahm Allison die Kontrolle in der Sekunde, in der sie die Küche betrat. Sie war um einiges jünger als ihr Ehemann, aber trotzdem gab es keinen Zweifel, wer die treibende Kraft in dieser Beziehung war. Jim schien es recht zu sein, wenn seine Ehefrau vorausdampfte, und im Gegenzug bekam er von ihr ein gut organisiertes Zuhause und liebevolle, wenn auch herrische Aufmerksamkeit.

Nathan schenkte ihnen allen sein breitestes Lächeln. Andrew fühlte sich beinahe geblendet, so hell wie die Küche plötzlich zu sein schien. „Mir geht’s gut, danke sehr, Allison. Ich werde nichts mehr trinken. Ich muss heute Nachmittag noch mit den Hunden raus und Drew hier hat mich zum Fußballspielen mit ihm und seinem Sohn eingeladen.“

Andrew verschluckte sich an seinem letzten Schluck Bier. Als er sich prustend und um Atem ringend entschuldigte, klopfte ihm eine riesige Hand auf den Rücken.

„Alles klar, Drew? Du versuchst doch nicht, dich vor unserem Spiel zu drücken? Gib mir zehn Minuten zum Umziehen und um die Hunde zu holen und dann können wir auch schon los.“

Andrew blickte auf und sah, dass Nathan ihm kaum merkbar zuzwinkerte. Alex neben ihm schien kurz davor zu sein, loszutoben. Allison strahlte in die Runde. Das war genau das, was sie am meisten genoss – wenn all ihre Nachbarn so gut miteinander zurechtkamen.

Er erwiderte Nathans Grinsen. Sich einen Nachmittag lang in der Dunkelkammer vor der Welt zu verstecken oder einen Nachmittag lang bei strahlendem Sonnenschein seinem neuen Freund beim Fußballspielen in den Hintern – einen extrem attraktiven Hintern – zu treten? Gar keine Frage. „Du denkst, du kannst mich und meinen Jungen schlagen? Dann versuch’s doch mal.“