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HAYDEN HURST trocknete sich ab, wickelte dann das makellos weiße Handtuch um seine Taille und begann sich zu rasieren. Er grinste über sein schaumbedecktes Spiegelbild. Es war viel zu lange her, dass er sich auf die Suche nach einer Affäre gemacht hatte und er war so verdammt bereit, es mit jemandem krachen zu lassen. Es war, als würde das Universum ihm seinen Segen geben: Seine letzte Schicht in der Feuerwache war ereignislos verlaufen, er war nach Hause gekommen und hatte mehrere Stunden gut geschlafen und war ausgeruht aufgewacht, aber so verdammt geil. Schön, es war ein Dienstagabend; nicht die beste Nacht, um Anschluss zu finden, es sei denn, er würde über eine App suchen. Aber was noch wichtiger war, er musste erst Donnerstag um elf Uhr wieder im Dienst sein. Was bedeutete, dass er sich auch ein paar Drinks genehmigen konnte.

Er summte, als er Stoppeln und Rasierschaum abkratzte, schnappte sich dann ein kleineres Handtuch und wischte die letzten Streifen weg. Immer noch summend, hängte er beide Handtücher an einem Haken hinter der Badezimmertür auf und wanderte dann nackt in sein Schlafzimmer.

Er stöberte nach dem perfekten Paar Boxershorts – oder sogar nach etwas Knapperem aus der Andrew Christian Kollektion. Wie gesagt, er war zum Spielen aufgelegt und erstarrte, als sein Telefon klingelte.

Nein, nein, nein. Er brauchte das hier. Er brauchte etwas Zeit, um er selbst sein zu können. Aber er konnte das Telefon nicht ignorieren. Sie waren auf dem Weg in die gefährliche Santa Ana Feuersaison, was bedeutete, dass er wieder zur Arbeit gerufen werden konnte.

Er bereitete sich geistig darauf vor, seine Ausrüstung zusammenzupacken, griff nach dem Ladegerät auf seinem Nachttisch und ließ einen Seufzer der Erleichterung aus, als er den Namen des Anrufers las.

„Hey, Miguel, was gibt es?” Sie hatten beide ihre kleine Heimatstadt in Nordkalifornien verlassen und jetzt war Miguel Feuerwehrmann in Los Angeles, während Hayden für eine Feuerwache in Pasadena arbeitete, aber ihre Freundschaft reichte bis zum Kindergarten zurück.

„Du hast heute Abend frei, nicht wahr?“

Hayden straffte seine Schultern. Keine Arbeit, aber das verhieß nichts Gutes für seine Pläne. Obwohl Miguel sein bester Freund war, hasste er es, wenn Hayden ihn in einen Gay Club verschleppen wollte. Er konnte seinen Freund, der sehr hetero war, nicht davon überzeugen, seine Verstärkung zu sein. „Sicher. Was ist los?“

„Darf ich dich heute zum Abendessen einladen. Und vielleicht auf ein Bier oder auch zwei.“

Die Einladung selbst war nicht ungewöhnlich, aber etwas in Miguels Tonfall machte ihn stutzig.

„Ja, das lässt sich machen.“ Er konnte danach immer noch in einen Club oder eine Bar gehen. „Soll ich die anderen Jungs anrufen und sehen, wer noch frei ist?“

„Nein.“

Hayden machte fast einen Schritt zurück bei Miguels unerwarteter und doch energischer Reaktion. „Ähm, okay.“

„Schau, ich muss mit dir über etwas reden. Treffen wir uns in der Cafeteria? Gegen sieben?“

„Schön.“ Die Cafeteria war etwa auf halbem Weg zwischen ihren Wohnungen und nicht so nahe an der Gegend, in die Hayden eigentlich hatte fahren wollen, aber gute Verkehrsbedingungen waren der andere Vorteil einer Dienstagnacht. Er hatte noch Zeit, eine weitere Episode von Supernatural zu streamen, bevor er ging. Irgendwie konnte er mit dieser Serie nicht Schritt halten. Es war, als würden die Folgen sich übernatürlich vermehren.

Hayden schaffte es sogar, sich zwei Episoden reinzuziehen, dann traf sein Taxi allerdings auf unerwarteten Verkehr, sodass Miguel bereits auf der Terrasse saß, als er ankam.

Miguel starrte in die Feuerstelle neben dem Nachbartisch, klopfte mit den Fingern nervös an sein Bierglas und bemerkte Hayden nicht einmal, bis er sich setzte.

„Hey.“

Hayden nickte und schnappte sich eine Speisekarte. Er hatte viel Zeit, um herauszufinden, was Miguel bedrückte. Aber er wollte etwas Leichtes essen. Wenn er zu viel aß, wäre er zu träge, um sich einen Typen aufzureißen, und er wollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Sobald sie bestellt hatten, signalisierte Hayden Aufmerksamkeit, aber er würde nicht nachfragen, was los war. Miguel reagierte nicht gut auf diese Art von aufdringlichem Verhör.

Miguel seufzte tief. „Alter, du musst mir einen großen Gefallen tun.“

Zumindest war niemand krank oder tot. „Was?“

„Erinnerst du dich an meinen kleinen Bruder? Jez?“

Irgendwie schon. Es war weit über ein Jahrzehnt her, dass er Jez gesehen hatte, der ein schlaksiger Junge gewesen war, als Hayden achtzehnjährig nach Los Angeles gezogen war – oder genauer gesagt – in das Haus seiner Großmutter in Pasadena. Jez war sechs Jahre jünger als er und Miguel und hatte unter einem schweren Fall von Heldenverehrung gelitten. Es war sowohl amüsant als auch irritierend gewesen, erst recht als er sich zu fragen begann, ob Jez’ Aufmerksamkeit von etwas anderem herrührte. Miguel hatte nie erwähnt, ob Jez schwul war, aber Hayden war froh, dass er Willow Ridge mit achtzehn verlassen hatte, bevor jemand etwas bemerkt und geschmacklose Gerüchte in Umlauf gebracht hatte. Auf Hayden trafen sie zu, aber er hätte nicht gewollt, dass das auf Jez abfärbte, ob er nun schwul war oder nicht.

Miguel sprach nie viel über Jez und so peinlich wie alle das Thema die wenigen Male, in denen er bei Miguel zu Hause gewesen war, gemieden hatten, war es zwischen Jez und dem Rest seiner Familie wohl zu einem endgültigen Streit gekommen. Hayden wusste nur, dass er eine Art Schauspieler war und in New York lebte.

„Er zieht nach L.A.“

„Schön für ihn.“ Hayden war sich nicht sicher, ob ihm die Richtung gefiel, in die sich das Gespräch entwickelte.

„Ja. Jobangebot. Ein gutes, wie er sagt.“ Miguel vermied es, Augenkontakt herzustellen, während er sein Bier austrank. „Wie auch immer, er braucht einen Platz zum Schlafen. Bis er eine Wohnung findet. Und … nun … ich würde ihn bei mir wohnen lassen, aber …“

Hayden schloss die Augen. „Ich nehme an, du könntest eine Luftmatratze neben dein Bett zwängen.“ In Wahrheit gab es in Miguels winziger Wohnung in Silver Lake keinen freien Zentimeter. Sie fasste mit Mühe Miguel und seine Hanteln, aber keinen zweiten Menschen. Und als Hayden dort war, hatte er ein paar Mal einen Hauch von Schimmel gerochen. Er schauderte.

„Ach komm schon, Mann, zwing mich nicht dazu. Ich bin in der Blüte meines Lebens. Zu leben, als wäre ich wieder in einem Studentenwohnheim, wäre scheiße. Es wäre nur für ein paar Monate. Vielleicht drei, höchstens. Und er würde Miete zahlen. Oder ich würde es tun.“

Hayden nahm einen großen Bissen Steak, kaute langsam und nahm sich ein paar Minuten Zeit zum Nachdenken. Er geisterte allein in dem zweistöckigen Handwerkerhaus herum, das seine Großmutter ihm vermacht hatte, aber ein Mitbewohner? Er schluckte, gefolgt von einem Schluck Bier. Andererseits, wenn Miguel statt in Los Angeles einen Job bei einer Feuerwache in Pasadena bekommen hätte, würden sie sich womöglich schon das Haus teilen.

„Ich schwöre, er wird keine Umstände machen. Und dein Haus ist groß genug, dass du ihn vielleicht nie zu sehen bekommst. Bitte, ich flehe dich an.“

Abgesehen davon, dass man die Küche teilen musste. Aber Hayden arbeitete 24-Stunden-Schichten und schlief zu ungewöhnlichen Zeiten. Solange Jez nicht jede Menge Lärm machte, wäre es vielleicht nicht so schlecht.

„Gut. Aber du schuldest mir etwas. Wann kommt er?“

Miguels Wangen färbten sich rötlich. „Freitag. Vielleicht Samstag.“

„Freitag? Diesen Freitag? Was zum Teufel soll das, Miguel?“

„Ich weiß, ich weiß.“ Miguel hob die Hände. „Ich wusste es nicht, okay? Er hat mich gestern aus Philly angerufen. Oder war es Pittsburgh? Etwas Östliches, das mit P. begann. Er rief von einem verdammten Umzugswagen aus an. Er ist auf dem Weg.“

„Ohne einen Plan?“

„Ich schätze schon. Aber das sollte nichts ändern, oder? Ich meine, dein Haus ist immer verdammt unberührt.“

Vielleicht, aber das bedeutete nicht, dass es für einen langfristigen Hausgast bereit war. Untermieter? Mitbewohner?

„Du musst mir helfen, Hayden. Schlimm genug, dass er ganz allein durch das verdammte Land fährt. Das sind etwa vierzig Stunden.“

Das beruhigte Hayden ein wenig. Vierzig Stunden waren eine lange Fahrt, aber wenn Jez nicht vor Freitag auftauchte, bedeutete das, dass er sich zumindest regelmäßig ausruhte.

„Warum hast du mich nicht angerufen, nachdem er sich gemeldet hatte?“

Miguel zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Es ist keine Kleinigkeit, um so etwas zu bitten, und du warst auf der Arbeit. Ich dachte, ich hätte bessere Chancen, dass du ja sagst, wenn ich dich persönlich treffe.“

Hayden unterdrückte eine Grimasse. „Es ist in Ordnung. Mach dir keine Sorgen. Jez kann bei mir bleiben. Gib ihm meine Handynummer und sag ihm, er soll mich wissen lassen, wann er ankommen wird, dann überlegen wir uns etwas mit dem Schlüssel. Ich habe Donnerstag eine Schicht, aber ich habe Freitag frei, also sollte das klappen.“

Miguels Schultern sackten in offensichtlicher Erleichterung. Dann stürzte er sich auf seine Mahlzeit, als hätte er seit Tagen nichts mehr gegessen. Mit anderen Worten: Alles war wieder normal.

Nachdem sie mit dem Essen fertig waren, nahm Miguel die Rechnung. „Willst du heute Abend ins Kino gehen?“

„Ähm …“ Hayden wollte immer noch flachgelegt werden, obwohl Miguel ihn aus dem Konzept gebracht hatte. Aber ein guter Orgasmus oder auch zwei würden die Zusammenstellung der mentalen Liste unterbrechen, die er während des ganzen Abendessens gemacht hatte, um sich auf den Freitag vorzubereiten.

Miguel spitzte die Lippen. „Verdammt. Du wolltest in einen Club gehen, oder?“ Er blinzelte, als wollte er vermeiden, sich vorzustellen, dass Hayden Sex hatte. Es war auch nicht so, dass Hayden sich Miguel im Bett vorstellen wollte, also wusste er nicht, warum sich jede Diskussion über sein Treffen mit Kerlen immer so unangenehm anfühlte, obwohl Miguel anscheinend nichts dagegen hatte, dass er schwul war.

„Das war der Plan, ja.“ Hayden hasste diesen Teil. Sich Miguel gegenüber zu outen, war einfach gewesen. Nicht so wie damals, als er das Gleiche bei seinen Eltern gemacht hatte. Aber als Miguels Freund schwul zu sein und ein offenes Leben als schwuler Mann zu führen, war nicht einfach gewesen. Ob es an den Jahren lag, in denen Miguel in Willow Ridge geblieben war, bis er den Job in L.A. bekommen hatte? Hayden wusste es nicht, aber er versuchte zu vermeiden, mit Miguel über Männer oder Sex zu sprechen. Oder mit sonst einem seiner Freunde.

„Komm schon. Komm mit mir ins Kino. In einen Club kannst du doch immer gehen.“

Sicher könnte er das, solange er es Miguel nicht erzählte, der der schlimmste Lustkiller aller Zeiten war. Angenommen, es würde Hayden auf wundersame Weise gelingen, jemanden Besonderen zu finden, dann müsste Miguel lernen, damit umzugehen. Aber bis dorthin tat Hayden sein Bestes, keinen Staub aufzuwirbeln.

„Gut. Ein Film.“ Und dann gleich nach Hause. Hayden musste nun Wäsche waschen, putzen, Schränke und Regale neu ordnen und einen zweiten Satz Schlüssel besorgen. Miguel klopfte ihm auf die Schulter und führte sie zu seinem Truck. Wenigstens konnte Hayden sich nun das Taxi sparen und Miguel dazu bringen, ihn nach Hause zu fahren.

 

 

„MANN, WAS für eine beschissene Schicht.“ Jordan schlug Hayden ein wenig zu hart auf den Rücken und ließ ihn husten.

„Tut mir leid, Mann, meine Lunge ist noch voller Rauch.“ Eine Notlüge. Der Wind hatte sich gedreht und Hayden war nicht vorbereitet gewesen – immer noch abgelenkt von der Aussicht auf den Mitbewohner, der etwa eine Stunde nach Schichtende ankommen sollte, und hatte fast eine Ladung giftigen Rauch ins Gesicht bekommen. Dieser eine Moment der Unachtsamkeit hatte wie eine Ohrfeige gewirkt und ihn wieder in die Wirklichkeit geholt. Aber es klang besser, als Jordan zu sagen, dass er ihm mit dem Schlag den Atem geraubt hatte. In Kauf zu nehmen, damit aufgezogen zu werden, war das nicht wert.

Dennoch war er erschöpft. Ihre Schicht hatte aus einer Menge Hin- und Herfahren bestanden, größtenteils mit medizinischen Notfällen. Zumindest hatte es in der Gegend keine Waldbrände gegeben, aber der letzte Einsatz hatte sie zu einem schlimmen Hausbrand gerufen. Es war ein Kampf gewesen, eine Ausbreitung zu verhindern.

„Brauchst du einen Arzt?“, fragte Jordan besorgt. „Du hättest vor Ort etwas sagen sollen.“

„Nein, nein. Es geht mir gut.“ Jordan überraschte ihn manchmal. Viele der Jungs in ihrer Crew mochten ihn nicht und in vielerlei Hinsicht konnte Hayden ihnen das nachfühlen. Jordan hatte viele Ecken und Kanten, die mit der Zeit rauer zu werden schienen, aber er war Haydens erster Freund in Pasadena gewesen. Er war nicht angewidert oder verärgert über die Arbeit mit einem schwulen Mann und da seine Witze sich gerade noch im Rahmen dessen bewegten, was als politisch korrekt galt, hatte Hayden schon mal ein Auge zugedrückt. Oder ein Ohr? Wie auch immer; sie arbeiteten gut zusammen und unter ihnen hatte sich eine kleine Gruppe von Jungs gebildet, die regelmäßig zusammen rumhingen.

„Gut, gut. Kommst du nach der Schicht in den Pub?“

„Ich weiß nicht.“

„Wir haben es nach dieser Schicht verdammt noch mal verdient. Vic wird dort sein. Kevin geht auch, oder?“ Jordan hob seine Stimme und zog Kevin in das Gespräch.

„Ja, definitiv.“ Kevin ging weiter zur Umkleide. Hayden musste da auch rein. Sich den Rauchgeruch aus den Haaren duschen.

„Siehst du? Und dieser Verlierer von Miguel wäre auch da, wenn er nicht in einer anderen Crew als Vic steckengeblieben wäre.“

Vic hatte sich mit Miguel bei der Arbeit angefreundet und vor einigen Jahren hatten die vier den Kern ihrer Gruppe gebildet. Vor einigen Monaten war Miguel jedoch in die C-Crew auf seiner Station versetzt worden und hatte jetzt weniger freie Tage zusammen mit Vic. Insgeheim vermutete Hayden, dass Miguel über diese Veränderung erfreut war, wenn man Vics wachsende Bitterkeit nach seiner zweiten gescheiterten Ehe bedachte.

„Das klingt gut.“

„Dann sei kein Weichei und geh mit uns aus.“

Hayden rollte mit den Augen und sah sich um, aber niemand schien es gehört zu haben. Hayden wusste, dass Jordan sich nichts dabei dachte, aber er musste bei der Arbeit vorsichtiger sein.

„Also, kommst du?“

„Ja, ja.“ Nur, weil er sich wegen seines neuen Mitbewohners weniger Sorgen machen würde, wenn er etwas anderes zu tun hätte, statt auf Jez zu warten. Und er war am Verhungern. Um elf Uhr vormittags seine Schicht zu beenden, bedeutete immer, dass er ein großes Mittagessen aß.

Jordan lächelte ihn an und schlug ihm wieder auf den Rücken, bevor er sich in die Küche zurückzog. Hayden seufzte und ging zu den Duschen.

 

 

HAYDEN BEDEUTETE dem Kellner, dass er zahlen wollte und zückte seine Brieftasche. Er war schon zu lange geblieben und wenn Jez sich beeilt hatte, würde Hayden zu spät nach Hause kommen.

„Komm schon, Kumpel, bleib noch ein oder zwei Minuten hier.“ Jordan, ein bisschen mitgenommen von den drei Bieren, die er hastig hinuntergestürzt hatte, während Hayden gerade mal eines getrunken hatte, schlug ihm auf den Rücken. Wenn das so weiterging, hätte er am Ende einen handförmigen blauen Fleck über seinem Schulterblatt.

„Tut mir leid, Mann.“

„Wirst du langsam alt?“, stimmte Vic ein. „Wir wissen alle, dass du nicht einer kleinen Frau gehorchst wie Kevin.“

Kevin, der normalerweise der erste war, der nach Hause zu seiner Frau ging, zeigte dem Tisch der Feuerwehrleute den Mittelfinger und die anderen lachten. Hayden zuckte mit den Schultern und unterdrückte ein Kribbeln des Unbehagens. Er war auf der Arbeit und es war meistens in Ordnung, auch wenn seine Kumpels sich immer noch so unreif verhielten wie Jungs in einer Studentenverbindung. Vielleicht wäre es ein größeres Problem, wenn er nicht als hetero durchginge, aber er würde sie mit Sicherheit nicht für Worte kritisieren, die keine Rolle spielen.

Alle seine Freunde waren Feuerwehrleute oder Polizisten und er war der einzige Schwule. Obwohl sie ihn akzeptierten, konnte sich das ändern, wenn er es schaffte, einen Freund zu finden und sie sich der Tatsache stellen mussten, dass es Hayden gefallen könnte, sich ficken zu lassen. Gut, dass Hayden diesen Wunschtraum aufgegeben hatte. Die gelegentlichen spöttischen Beleidigungen störten ihn nicht allzu sehr.

Die Rechnung kam mit einem weiteren Bier und Hayden starrte in die Runde, in der alle schuldig aussahen, aber keine Reue zeigten.

„Im Ernst, Leute, ich muss los.“ Er schob ein paar Scheine unter das feuchte Papier der Rechnung. „Sonst kann ich nicht fahren. Hast du vergessen, dass ich heute meinen neuen Mitbewohner treffe?“

Kevin, der einzige andere Typ, der nicht betrunken war, antwortete: „Ich habe es vergessen. Miguels Bruder, richtig?“

Hayden nickte.

Vic warf ihm einen vielsagenden Blick zu. „Das ist richtig. Der Broadway-Schauspieler. Denkst du, er tendiert in Haydens Richtung? Oder müssen wir ihn warnen, dass er im Begriff ist, mit unserem ansässigen Po-Piraten zusammenzuziehen?“

Hayden zwang sich zu einem angespannten Lächeln. „Ich glaube nicht, dass es etwas gibt, worüber man sich Sorgen machen müsste.“ Hayden hatte niemals gefragt, aber als Miguel ihn gebeten hatte, Jez bei sich wohnen zu lassen, hätte er wohl erwähnt, wenn der Junge auch schwul wäre.

„Oho. Vielleicht wirst du am Ende noch ein Fotzenknecht. Oder ein Schwanzknecht. Diese Theaterschauspieler sind doch alle schwul wie Drei-Dollar-Scheine.“

Die Kellnerin, eine reizende Frau, die versuchte als Schauspielerin Fuß zu fassen und die seit ihrer Ankunft mit Vic geflirtet hatte, runzelte die Stirn und knallte das Bier auf den Tisch, das sie vor ihm hatte abstellen wollen.

Vic machte große Augen, als er zu ihr aufsah. „Was denn?“

Sie antwortete nicht, aber ihre Mine war so frostig, dass sie alle ihre Bierkrüge hätte vereisen können. Wenn Vic dachte, dass er heute Abend Glück hätte, würde er bald etwas anderes herausfinden.

„Du musst dir keine Sorgen um Jez machen. Oder um mich. Nichts wird sich ändern. Das ist nur vorübergehend, bis Jez eine eigene Wohnung gefunden hat.“

„Ha. Wenn er nur annähernd wie Miguel gebaut ist, wird er dich wie einen Zweig zerbrechen, wenn du ihn auch nur komisch ansiehst.“

Die Abzweigung der Konversation in Richtung seines Sexuallebens bereitete ihm Unbehagen, besonders in Bezug auf Miguels kleinen Bruder. Definitiv Zeit, um zu gehen. „Trinkt nicht zu viel. Jez sagte, er hätte nicht viel Zeug im Lieferwagen, aber wenn es mehr ist, als ich verkraften kann, rufe ich euch Wichser morgen zu unbezahlter Arbeit.“

Nachdem Hayden aufgestanden war, verlor Jordan keine Zeit, das unberührte Glas an Haydens Platz zu schnappen.

„Ich werde auch gehen“, sagte Kevin und warf ein paar Scheine auf den Tisch, als er aufstand.

Noch ein paar weitere Verhöhnungen über Kevins Eier oder deren Fehlen wurden über den Tisch gerufen, aber Kevin schüttelte sie so gutmütig ab wie immer und lenkte die Aufmerksamkeit von Haydens neuem Wohnarrangement ab. Hayden wartete auf Kevin und zusammen gingen sie zum Ausgang.

Draußen auf dem Parkplatz nahm Kevin das Gespräch wieder auf. „Du solltest Jez irgendwann mal mitbringen.“

Hayden zuckte mit den Schultern. „Vielleicht. Ich bin sicher, er hat seine eigenen Freunde.“ Als ob Hayden wissen konnte, ob er und Jez miteinander auskommen würden. Zum Teufel, er hatte sich kaum daran erinnert, dass Miguel einen jüngeren Bruder hatte. Jez kam nicht einmal in den Ferien nach Hause, zumindest nicht, als Hayden noch dort draußen gelebt hatte.

„Das ist nicht seine Heimatstadt. Die ist sieben Stunden nördlich. Und er hat seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr in Kalifornien gelebt. Er kennt hier vielleicht niemanden außer seinem Bruder.“

„Ja, du hast wahrscheinlich recht.“ Und er war viel zu bedacht, um den Rest ihrer dummen Freunde zu ertragen. Vielleicht hatte seine Frau einen besänftigenden Einfluss. Oder vielleicht war es diese Eigenschaft, die dafür gesorgt hatte, dass Kevin der erste in ihrer Gruppe war, der in einer langfristigen Partnerschaft lebte. So oder so, er hatte recht, obwohl Hayden hoffte, dass Jez so sehr damit beschäftigt sein würde, seinen neuen Job zu beginnen und eine eigene Wohnung zu finden, dass es nicht an Hayden hängen bleiben würde, der Ersatz-Freund zu sein.

Hayden hatte keine Ahnung, wie man sich mit jemandem anfreundete, dessen Lebenserfahrungen sich so sehr von seinen eigenen unterschieden. Abgesehen von der Freundschaft mit ein paar Polizisten, die als Bekanntschaft bei Notfalleinsätzen angefangen hatte, bestand Haydens soziales Umfeld seit mehr als einem Jahrzehnt nur aus Feuerwehrleuten und manchmal ihren Frauen.